
Alte Gemüsesorten erleben eine Renaissance
Alte Tomaten, Bohnen und Linsen, die man im Handel kaum noch findet, standen im Mittelpunkt des zweiten Saatgutmarkts in der Oberensinger Friedrich-Glück-Halle. 13 Aussteller aus ganz Baden-Württemberg präsentierten dort eine Bandbreite an alten, naturbelassenen und samenfesten Sorten.
von OGV Nürtingen erschienen am 09.03.2026„Naturbelassene, samenfeste Gemüsesorten stehen bei uns im Fokus“, betonte Jenny Hammer, Geschäftsführerin des Genbänkle Nürtingen. Als samenfest bezeichnet man Pflanzen, deren Samen man wieder aussäen kann und die dabei mit hoher Wahrscheinlichkeit Eigenschaften der Mutterpflanze behalten. Viele der gängigen Sorten im Handel sind dagegen Hybride: Sie bringen im nächsten Jahr oft nicht mehr die gleichen Merkmale hervor, weshalb Saatgut immer wieder neu gekauft werden muss.
Für die Veranstalter ist der Saatgutmarkt deshalb mehr als ein netter Treffpunkt: Er ist ein Beitrag zum Erhalt und zur Wiederentdeckung traditioneller Sorten. Vier Partner haben sich dafür zusammengetan: der OGV Nürtingen, der OGV Oberjesingen, Gartenraritäten Remseck und das Genbänkle Nürtingen. Ziel ist es, alte Sorten wieder bekannter zu machen und zurück in die Gärten zu bringen. Schätzungsweise sind bereits rund 75 alte Sorten im Laufe der Zeit verschwunden umso wichtiger sei es, sie wieder aufzuspüren und zu vermehren. Beispiele für wiederentdeckte Schätze sind etwa die Alblinse oder die Schwabenbohne.
Eine Besucherin brachte am Samstagvormittag selbst gezüchtete Samen eines Schwarzkohls mit. Für die Veranstalter war das ein Glücksfall. Das Genbänkle nimmt die Sorte nun in seine Palette auf und die Samen sollen untersucht, angezogen und im nächsten Jahr den Besucherinnen und Besuchern zugänglich gemacht werden. Eine Sorte mehr, die Farbe und Geschmack in die alte Gemüsevielfalt zurückbringt. Der Andrang war groß, Besucher aus der Region, besonders am Samstag, informierten sich, tauschten Erfahrungen aus und nahmen Saatgut mit nach Hause. Roland Büttner vom OGV Nürtingen berichtete, man denke bereits darüber nach, den Markt im nächsten Jahr wieder auszurichten. Und Uwe Eisinger vom OGV Oberjesingen freute sich besonders über das Interesse junger Familien: Ein starkes Zeichen dafür, dass Vielfalt, Geschmack und Unabhängigkeit beim Gärtnern wieder wichtiger werden. Für die beiden Vereine ist der Markt eine gute Gelegenheit der Zusammenarbeit. Solche Märkte zeigen, wie lebendig Tradition sein kann und, dass viele kleine „Genbänke“ in privaten Gärten zusammen eine große Wirkung haben können, nämlich Vielfalt bewahren, Wissen teilen, Zukunft säen.










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