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Die Illusion vom Superfood

Kein Jahr vergeht ohne ein neues „Wunderlebensmittel“, das uns besonders gesund machen soll – meist exotisch, weit gereist und nicht unbedingt besser als andere Lebensmittel, die vor unserer Haustür wachsen. Dabei mangelt es heimischen Kulturpflanzen wie Meerrettich, Johannisbeeren, Walnüssen, Roten Beten, Bohnen oder Erbsen keineswegs an wertvollen Inhaltsstoffen – höchstens am Marketingbudget.

von Theresa Petsch erschienen am 01.04.2026
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Goji-Beeren am Strauch
Goji-Beeren am Strauch © LianeM/shutterstock.com

Kein Jahr vergeht ohne ein neues „Wunderlebensmittel“, das besonders gesundheitsförderlich sein soll – meist exotisch, weit gereist, aber nicht unbedingt besser als andere Lebensmittel, die vor unserer Haustür wachsen. Dabei mangelt es heimischen Kulturpflanzen wie Meerrettich, Johannisbeeren, Walnüssen, Bohnen oder Erbsen keineswegs an wertvollen Inhaltsstoffen – höchstens am Marketingbudget. Warum also fahren wir so auf Goji-Beere, Açaí und Kurkuma ab?

Wie gesund Superfoods tatsächlich sind, lässt sich nicht pauschal beurteilen. Neben Inhaltsstoffen spielen auch Verarbeitung, Transport, Lagerung und unser Konsumverhalten eine Rolle. Wer seinem Körper etwas Gutes tun will, gönnt sich gern ein paar exotische Beeren – besonders nach kulinarischen Ausschweifungen. Dann greift jedoch oft ein psychologischer Effekt: die Selbstlizenzierung. Wer etwas Gesundes isst, fühlt sich im Plus und erlaubt sich anschließend eher eine Sünde. Dafür kann das Superfood zwar nichts, aber so funktionieren wir nun mal.

Das für unser Wohlbefinden so wichtige Darmmikrobiom bleibt zudem weitgehend unbeeindruckt vom gelegentlichen Konsum einzelner „Superfoods“. Entscheidend ist vielmehr der regelmäßige Verzehr vielfältiger pflanzlicher Lebensmittel. Das ist die eigentliche Herausforderung, denn viele der gesündesten Lebensmittel haben wir aus unserem Alltag verdrängt. Hülsenfrüchte zum Beispiel: Noch im 19. Jahrhundert verzehrte ein Deutscher etwa 70 kg davon im Jahr. Heute nehmen wir rund 70 kg Weizenprodukte und über 50 kg Fleisch, aber nur noch knapp 2?kg Bohnen und Erbsen pro Kopf zu uns.

Es ist eine schöne, beruhigende Idee, kulinarische Sünden durch gelegentlichen Konsum gesunder Superfoods kompensieren zu können. Doch leider greift sie zu kurz. Denn Superfood ist kein einzelnes Lebensmittel. Das wahre Superfood heißt Vielfalt – und wächst seit Jahrhunderten in unseren Gärten.

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