Das Eduard Lucas-Haus wird erhalten
Am 14. September 2024 veranstaltete der Kreisverband der Obst- und Gartenbauvereine Reutlingen e. V. (KOV) das erste Lucas-Fest in der Pomologie Reutlingen. Und nicht nur das: In einem Festakt wurde außerdem ein Verein gegründet, der Wissen über (Streu)Obstbau in die Zukunft tragen will, indem er ein ganz besonderes Haus zum Museum umgestalten will.
von Theresa Petsch erschienen am 30.09.2024Zahlreiche Aussteller präsentierten sich auf dem Streuobstmarkt des ersten Lucas-Fests in der Pomologie Reutlingen. So wurden die Besucher gut versorgt mit Gartengeräten, Leitern, Obstgehölzen, Motorsägenkunst und natürlich Streuobst-Produkten. Unterstützt wurde die Veranstaltung von der Stadt Reutlingen, der Wohnungsgenossenschaft Reutlingen (GWG) und dem Ministerium für Ernährung, Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg (MLR).
Der Tag stand ganz im Zeichen der „Wissensvermittlung an die nächste Generation“. So gab es neben einer Streuobst-Olympiade für Kinder und Jugendliche mit Rollblitz-Rallye und kleiner Sortenkunde auch die Möglichkeit, am Stand der Mosterei Randecker selbst Süßmost zu pressen. Bei der Baumschule Rall konnten sich Besucher eine Obstbaumberatung inklusive Pflanztipps abholen. Für bereits gepflanzte Bäume gab es außerdem eine Baumschnitt-Vorführung. Die Vielfalt der Apfel- und Birnensorten konnte man an den Ständen des Kreisverbands Reutlingen und von August Kottmann bestaunen.
1Zu jeder vollen Stunde führte Ulrich Schroefel, der viele Jahre als Fachberater für Obst- und Gartenbau im Kreis Reutlingen tätig war und sich jetzt als Geschäftsführer des KOV Reutlingen engagiert, die zahlreichen Interessierten durch das ehemalige Wohnhaus von Eduard Lucas. Damit gab er einen Vorgeschmack auf das Highlight der Veranstaltung: Die Gründung des Vereins zur Erhaltung des Eduard Lucas-Hauses, das sich direkt neben dem ehemaligen Schulgebäude auf der Pomologie befindet.
Vereinsgründung Eduard Lucas-Haus
Zur Feier des Tages hatten sich mit Martin Stiegler und Familie auch die Nachfahren des bekannten Pomologen Eduard Lucas eingefunden. „Heute wird Reutlinger Geschichte fortgeschrieben – auf diesem für uns Streuobstleute beinahe heiligen Land!“, sagte Ralf Michael Röckel, Vorsitzender des KOV Reutlingen, zu Beginn des Festakts zur Vereinsgründung. „In der Pomologie hat Lucas 3000 Baumfachwarte ausgebildet. Ohne Lucas und ohne Pomologie würd’s den Streuobstbau nicht geben.“ Niedrigen Temperaturen zum Trotz leitete er gemeinsam mit dem „Bronnweiler Weib“ Friedel Kehrer mit viel Witz und Schauspieltalent durch den Abend.
Zusammen warben sie um Mitglieder und Unterstützung des zu gründenden Vereins – insbesondere bei anwesenden Vertretern aus der Politik. Während der Veranstaltung konnten sich Anwesende bereits als zukünftige Vereinsmitglieder registrieren.
2August Kottmann vom Gasthof Hirsch sprach in seinem Impulsreferat über die Wertschöpfung der Streuobstwiesen. Er warb dafür, den über den direkten finanziellen Ertrag der Streuobstwiesen hinausgehenden Wert dieses Produktionssystems zu erkennen: Den Erholungs- und Landschaftswert, die biologische Vielfalt und schließlich auch den Genuss, den die vielfältigen Aromen alter Sorten uns bringen: „Wertschöpfung muss dort entstehen, wo Herz und Genuss anfangen und nicht, wo der Geldbeutel anfängt“, so der Küchenmeister und Streuobstbewirtschafter.
Sabine Kurtz, Staatssekretärin MdL im MLR, sicherte in Ihrer Ansprache dem Verein die fachliche Unterstützung des Ministeriums zu und wünschte viel Erfolg. Sie betonte, dass das Glas des Streuobstbaus in Baden-Württemberg halb voll sei: „Wir haben Kreisobstbauberater, Vereinsmitglieder und engagierte Landtagsabgeordnete, die jetzt in den Haushaltsberatungen stecken und sicher auch die Streuobstkonzeption freigeben. Es gibt im Streuobstparadies so viel [e Produkte]! Da können Sie sich auch mal richtig selber loben! Das ist mit so viel Ehrenamt, so viel Herzblut verbunden. Toll, dass Sie das alle machen!“
Reutlingens Oberbürgermeister Thomas Keck wies auf den Tag des Tropenwalds hin, der auf das Verschwinden der Regenwälder aufmerksam machen soll. Auch Streuobstwiesen schrumpfen, daher seien Fördermöglichkeiten, Schulungs- und Beratungsangebote essenziell, um Nutzungsaufgaben entgegenzuwirken. „Der Erhalt des Erbes Eduard Lucas‘ bedeutet auch den Erhalt unserer Streuobstwiesen“, so Keck. Er sagte bereits vor der offiziellen Vereinsgründung zu, dass die Stadt Reutlingen zu den Gründungsmitgliedern gehören wolle. Er dankte den Beteiligten des Streuobstmarktes und den Mitgliedern des KOV für die vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit, die bereits im Voraus in den Erhalt des Wohnhauses und die Gründung des Vereins geflossen sind.
3Schließlich übergab Keck den symbolischen hölzernen Schlüssel an den Verein mit den Worten: „Aktion ist der Schlüssel zum Erfolg. Den haben Sie bereits. Jetzt erhalten Sie symbolisch den Schlüssel zum Eduard Lucas-Haus.“
Ulrich Schroefel, der sich seit Jahren für den Erhalt des Eduard Lucas-Hauses einsetzt, war sichtlich gerührt. Er lobte das einzigartige Wirken des Pomologen, in dessen Sinne der Verein Wissen über Obstbau bewahren und weiter in die Zukunft tragen wolle: „Unser oberstes Ziel ist es, das Wissen von Eduard Lucas an die Jugend weiterzugeben.“ Ein regionales Buffet von Kulinalb rundete den Abend ab, der in ausgenommen guter Stimmung ausklang.
Grob überschlagen trugen sich bereits im Laufe der Veranstaltung bereits die ersten 60 Mitglieder ein. Weitere sind herzlich willkommen. Schnellentschlossene können sich noch vor der ersten offiziellen Sitzung des Vereins Ende Oktober/Anfang November 2024 eintragen, um die zukünftige Vereinssatzung mitzugestalten und auch der Wahl des Vorstands beizuwohnen.
Wer Mitglied im Förderverein „Eduard Lucas-Haus“ werden oder spenden möchte, erhält bei der Geschäftsstelle des KOV Reutlingen weitere Infos:
Haydnstr. 5–7
72764 Reutlingen
Tel.: 07121/480-3327
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