Erstes Zertifikat ausgestellt
Das Bio-Kontroll Institut BKI (DE-ÖKO-073) aus Kirchberg an der Jagst hat als erste Zertifizierungsstelle die Bio-Gruppenzertifizierung erfolgreich durchgeführt. APIBIO e.V. ein Verein für Imker mit Sitz in Heilbronn hat im Oktober 2025 als erste Gruppe in Deutschland das Zertifikat Unternehmergruppe erhalten.
von BKI erschienen am 03.01.2026Bei kleinbäuerlichen Strukturen denken die meisten Menschen an weit entfernte Länder in Afrika, Asien oder Südamerika. Hier werden exotische Produkte wie Kakao, Kaffee oder Bananen bereits seit Jahrzehnten von Bäuerinnen und Bauern mit oft weniger als einem Hektar Land angebaut, die sich zu Zertifizierungs- und Vermarktungszwecken in Gruppen zusammenschließen. Doch auch bei uns im landwirtschaftlich industrialisierten Europa gibt es nach wie vor kleinbäuerliche Strukturen – zum Beispiel bei Honig, Wein oder Streuobst. In Europa erlaubt die EU-Bio-Verordnung allerdings erst seit 2022, dass sich Erzeugergruppen gemeinsam bio-zertifizieren lassen. Diese rechtliche Neuerung schafft großes Potenzial für mehr Bio und mehr Diversität in unserer Landwirtschaft.
BKI rechnet mit mindestens 50 Prozent Kostenersparnis
Viele Erzeugergemeinschaften, deren Mitglieder bio-zertifiziert sind, kämpfen anhand der überall steigenden Kosten ums Überleben. Einige haben aus finanziellen Gründen bereits ihre Zertifizierung aufgegeben. Mit der Bio-Gruppenzertifizierung möchte das BKI Erzeugergruppen dabei unterstützen, in das Kontrollverfahren einzusteigen, oder im Verfahren zu bleiben und Kosten zu sparen. Die potenzielle Kostenersparnis beträgt mindestens 50 Prozent. Bisher hat sich jeder Kleinbetrieb einer externen Kontrolle unterziehen müssen. Nun übernimmt das interne Kontrollsystem (IKS) die einzelne Überprüfung. Durch die externe Kontrollstelle werden nur noch 5 % der Betriebe kontrolliert, jedoch aber mindestens 10 Mitglieder. Voraussetzung ist, dass die Gruppen ein funktionierendes IKS einführen, das ihre Integrität dokumentiert, sowie ein gemeinsames Vermarktungssystem. Laut den Berechnungen des BKI lohnt sich die gemeinschaftliche Zertifizierung schon für Gruppen ab 30 Mitgliedern.
Erste Gruppenzertifizierungen für Imkerei abgeschlossen
Für die Gruppenzertifizierung hat sich der Imkerverein APIBIO mit Sitz in Heilbronn gegründet. Nach dem Aufbau des IKS während der Saison 2025 konnte im September die externe Kontrolle durch das BKI abgeschlossen werden. Nun ist APIBIO mit seinen knapp 30 Mitgliedern die erste Gruppe in Deutschland, die ein Bio-Gruppenzertifikat innehat.
Großes Potential für Streuobstvereine und -Gruppen
Streuobstanlagen haben einen sehr hohen ökologischen Wert. Jedoch schrumpft der Bestand. Die landesweite Erhebung 2020 in Baden-Württemberg erfasste 7,1 Mill. Streuobstbäume. Um diese zu erhalten, braucht es Aufpreise für Mostobst, was durch höhere Auszahlungspreise für Bio-Mostobst gewährleistet ist. Hier bietet sich die Gruppenzertifizierung als neue Zertifizierungsform an, die Vereine und Verbände bündeln kann. Der Landesverband für Obstbau, Garten und Landschaft Baden-Württemberg e.V. (LOGL) zählt ca. 1000 Ortsvereine, ein großes Potential. Gemeinsam mit der Bio-Musterregion Hohenlohe, mit der Unterstützung des Ministeriums für Ernährung, Ländlichen Raum Baden-Württemberg hat das BKI außerdem eine Machbarkeitsanalyse zu Gruppenzertifizierungen im Streuobstbereich angestoßen

Zu diesem Artikel liegen noch keine Kommentare vor.
Artikel kommentierenSchreiben Sie den ersten Kommentar.